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DIE LEGENDE VOM HEILIGEN APOSTEL BARTHOLOMÄUS |
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Im Goldenen Legendenbuch wird vom Apostel Bartholomäus erzählt. Nach dem Tod und der Auferstehung Jesu blieb der Apostel Bartholomäus noch bis Pfingsten in Jerusalem. Dann aber erfüllte er den Abschiedswunsch Jesu. "Geht hin in alle Welt und lehret alle Völker und taufet sie", so sprach Jesus vor seiner Himmelfahrt. So ging Bartholomäus weit weg von Jerusalem bis nach Indien.
Dort traf er Menschen, die das Bild des Gottes Astraroth in einem Tempel verehrten. Man brachte Kranke von weit her zu diesem Götterbild und hoffte auf Heilung. Als Bartholomäus den Tempel betrat, merkten die Kranken, dass das Götterbild keine Kraft mehr hatte und sie nicht heilen konnte.
Sie gingen deshalb in einen anderen Tempel und glaubten, das Bild des Gottes Berith könne sie heilen. Sie hatten aber alle Angst, dass der Apostel auch dieses Götzenbild entmachtete. "Wer ist dieser Bartholomäus?", fragten die Menschen.
Da wurde bekannt, dass Bartholomäus die Götterbilder Indiens alle entmachten und zerstören wolle. Sie suchten ihn also, und sie fanden ihn bei einem vom Bösen verzauberten Menschen. Bartholomäus erlöste diesen Menschen von seinem bösen Zauber.
Als das der König Polimius hörte, ließ er den Apostel kommen und bat ihn, seine schöne Tochter von ihrer Krankheit zu heilen. Weil ihre Krankheit sehr gefährlich war, hatte man sie ans Bett gefesselt. Bartholomäus aber befahl, ihre Fesseln abzunehmen.
Da band man sie los, und alsbald war die Tochter des Königs geheilt. Der König wollte Bartholomäus mit Gold, Silber und Edelsteinen belohnen, aber der Apostel nahm kein Geschenk an. Er erinnerte sich nämlich daran, dass Jesus einmal gesagt hatte: "Umsonst habt ihr von Gottes Kraft empfangen, umsonst sollt ihr sie weitergeben."
Bartholomäus erzählt aber dem König von Jesus und sagte, er solle sich taufen lassen. Aber der Glaube des Königs war noch nicht groß und so blieb er ungetauft. Auch die Leute in Indien waren noch immer nicht von der frohen Botschaft von Jesus, die Bartholomäus erzählte, überzeugt. Noch immer verehrten sie ein altes Götzenbild.
Da gebot der Apostel, dass der Götze aus dieser Statue herausfahre und das Bild dadurch zerstört werde. Und es geschah so. Mit großem Geschrei und Getöse flog der Götze aus der Statue und zerstörte sie dabei. Kaum war das geschehen, so fuhren auch alle anderen Götzen aus ihren Statuen heraus und zerstörten sie. Damit waren alle Tempel Indiens von Götzenstatuen befreit.
Die Priester der Götzen aber beschwerten sich beim Bruder des Königs, der hieß Astrages. Der ließ Bartholomäus gefangen nehmen und bestrafte ihn. Er ließ den Apostel mit Knüppeln schlagen. Danach wurde er auf einen Tisch gespannt, und es wurde ihm bei lebendigem Leibe seine Haut abgezogen.
Als aber Bartholomäus daraufhin noch lebendig war und seine Haut über den Arm nahm und davonging, da ließ ihn der Bruder des Königs enthaupten. Dies geschah in der Stadt Albana in Armenien.
Da bekehrte sich der König, ließ sich taufen und wurde zum Bischof geweiht und blieb bis zu seinem Tod zwanzig Jahre im Amt. Den Leichnam des heiligen Bartholomäus aber brachte man nach Sizilien, und von dort gelangte er nach Beneventum in Apulien und später nach Rom. Seine Schädelplatte aber kam als Geschenk des Kaisers Barbarossa in den Frankfurter Dom, wo diese Reliquie noch heute verehrt wird.
Den Heiligen Bartholomäus erkennt man auf Bildern und Skulpturen daran, dass er als Zeichen seiner Apostelwürde häufig ein Buch trägt. Als Zeichen seines Martyriums trägt er zusätzlich ein Messer in der Hand. Das Fest des Heiligen Bartholomäus wird jedes Jahr am 24. August in allen römisch-katholischen Kirchen gefeiert.
Der o.a. Text entstand nach der Legenda Aurea des Predigermönchs und Bischofs von Genua, Jacobus de Voragine, der die Sammlung in den Jahren 1263 bis 1273 aufschrieb.
Die Legendensammlung ist grundlegend für die uns seit dem Mittelalter überkommenen Heiligenviten und ihre Darstellung in der bildenden Kunst.
Die Legenda Aurea des Jacobus de Voragine. Aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz. - Gerlingen: Verlag Lambert Schneider, 12. Aufl. 1997. XXXX, 1028 S.
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